A mit und ohne Kringel

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200px-a-mit-kringelDas plattdeutsche lange A hat eine ungewöhnliche Aussprache. Es ist dunkler als das hochdeutsche A und es steht irgendwo zwischen dem A und dem O. Wie klingt das? Etwa so wie das a im englischen „all“. Oder, hmm, so wie das dänische å. Und so kommt dann schnell mal der Vorschlag auf, man solle das auf Platt auch so schreiben. Zum Beispiel måken (machen), Såk (Sache) usw. Durchgesetzt hat sich das nicht und auch ich halte nicht viel davon. Warum?

Ich meine, das scheitert einfach schon daran, dass der übliche PC-Benutzer nicht weiß, wo er das auf der Tastatur findet.

Wie geht das auf dem Computer?

Auch ich selbst, als Informatiker, wüsste nur problematische Wege.

  1. Ich könnte mir das å irgendwo rauszusuchen und es mittels copy/paste in meine Texte reinfrickeln. Das wäre ein ständiges Ärgernis
  2. Ich könnte mir eine sogenannte Escapesequenz raussuchen. Bei Windows soll es Gerüchten zufolge mit der Tastenkombination Alt-0229 gehen, und das kann man wirklich nur Informatikern zumuten. Am Rande bemerkt, erhalte ich gerade jetzt bei Alt-0229 nur ein Õ. Ich bin mir aber sicher, damit früher auch mal ein å bekommen zu haben. Wie löse ich das jetzt? Das tut echt weh.
  3. Man könnte natürlich auch versuchen, das å noch auf der Tastatur unterzubringen. Also: Tastaturtreiber programmieren, bei Windows nachinstallieren, und dann das Tastaturlayout umschalten. Kurz: eine ganze Menge Aufwand. Und überhaupt: wo soll das å denn auf der Tastatur hin. Es ist doch schon alles belegt. Am Ende würde mich ein Klebchen auf der Tastatur angrinsen, und mir zeigen, dass auch dies keine gute Lösung ist.

Wer kann das leisten?

All das sind Wege für echte Freaks. All das ist nichts, womit meine Eltern auf der Computertastatur Niederdeutsch schreiben könnten. Und deshalb halte ich davon nichts. Das sind im Grunde dieselben Probleme wie früher, als die Buchdrucker das nicht im Setzkasten hatten.

Man braucht es auch nicht.

Im Niederdeutschen wird das lange A immer dunkel ausgesprochen. Man braucht es also gar nicht extra zu kennzeichnen: maken (machen), Saak (Sache)

Die Sass’sche Schreibweise macht das so, und Sass ist für das Schreiben des Niederdeutschen mit Abstand das beliebteste System. Auch ich verwende das.

Und so lautet die erste Regel nach Sass so:

Es werden nur solche Schriftzeichen verwandt, die auch im Hochdeutschen gebräuchlich sind.

Anders kann es, meiner Meinung nach, nicht funktionieren.

Mehr zu den Sass’chen Regeln findest Du hier.

8 Gedanken zu “A mit und ohne Kringel

  1. å „Option a“ auf dem Mac war mein erster Rateversuch, und schon hat’s geklappt. Also wäre ganz einfach auf dem Mac, bei Windoofs vielleicht eher nicht.

  2. Ich find die Überlegung gar nicht so schlecht, um ehrlich zu sein. Natürlich ist es schwierig, da das å nicht auf der deutschen Tastatur zu finden ist. Was spräche aber dagegen die deutsche Tastatur um einen Buchstaben zu erweitern? Die spanische Tastatur (aber nur in Spanien, nicht in Lateinamerika) hat ja auch das ç eingeführt, da Regionalsprachen wie Katalanisch und Galicisch (je nachdem welche Rechtschreibung man befolgt) das ç benutzen. Leider kenne ich mich mit der Sprachgeschichte des Niederdeutschen nicht zu 100% aus und weiß nicht, wie man es z.B. zu Zeiten der Hanse geschrieben hat, wo ja nun mal fast alles auf Niederdeutsch verfasst wurde. Ich weiß nur, dass man damals das å zwar nicht benutzt hat, aber es wäre auf jeden Fall interessant zu wissen, wie man sonst geschrieben hat. Mir erschließt sich einfach nicht dieser Wille, die niederdeutsche Rechtschreibung so stark an die hochdeutsche zu binden. Zum Beispiel ein Dehnungs-h zu setzen, wo im Niederdeutschen eigentlich keins hinkommt (z.B. Koh = Kuh, im Mittelniederdeutschen jedoch Ko) oder das ie, um ein langes i darzustellen, nur weil es im Hochdeutschen auch so gemacht wird (Beispiel: Tiet = Zeit, im Mittelniederdeutschen Tît oder Tyt). Meiner Meinung nach hätte man da auch auf etymologischere Schreibweisen zurückgreifen können. Wenn man nämlich auf der einen Seite sagt, Niederdeutsch sei eine eigene Sprache, auf der anderen Seite jedoch meint, sich nur an der hochdeutschen Rechtschreibung orientieren zu müssen, erscheint mir das nicht wirklich konsequent. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es bereits eine eigene Schreibweise gab auf der man hätte aufbauen können…Ich weiß, dass ich „etwas“ vom Thema abschweife und bitte dies zu entschuldigen, avers dat leeg mi op de Seel! 😀

    • Lieber Jens, danke für Deine Kommentare.

      Im Prinzip wäre es natürlich möglich, ein Kringel-a auch auf die Tastatur zu bringen. Aber wer wird diese Tastaturen herstellen? Und wer würde sie kaufen? Und das alles nur, um in plattdeutschen Texten ein Kringel-a schreiben zu können?

      Zur Hansezeit hat man das einfach als A geschrieben. Ein Lexikon des mittelniederdeutschen findet sich bei Gerhard Kobler.

      Die Bindung an das Hochdeutsche ist sicherlich etwas, wozu man unterschiedliche Meinungen haben kann. Der Vorteil ist, dass auch Leute, die Platt nicht so gut können, die Wörter dann besser erkennen können. Da die Plattkenntnisse allgemein schlecht sind, ist das ein wichtiger Vorteil.

      Wichtig finde ich auch, den Sass-Standard zu unterstützen, auf den sich viele Autoren geeinigt haben. Auch wenn man an diesem Standard Defizite finden kann (und jeder findet andere…), so halte ich es doch für sinnvoll, mit diesem Standard weiterzumachen.

      Heiko

  3. In jeder Sprache gibt es wohl Laute (genannt „Phon“), die man mit der Sprache lernen muss. Das gilt für das plattdeutsche dunkle A, z.B. auch für das berühmte „th“ im Englischen. Auch dafür gibt es mindestens zwei verschiedene Ausprachen; 1. das „stimmhafte“, wie in „the“, „that“ und das „stimmlose“ wie in „thanks“, „both“.
    Die Unterscheidung fällt deutschen Muttersprachlern oft schwer.

  4. „Im Niederdeutschen wird das lange A immer dunkel ausgesprochen. Man braucht es also gar nicht extra zu kennzeichnen: maken (machen), Saak (Sache)“
    Platt kennt zwei lange „a“: alle Aale heißt: aal (helles „a“) Aal (dunkles „a“).
    Der Kringel hätte also auch in Platt selber eine diakritische Funktion.
    „Der Vorteil ist, dass auch Leute, die Platt nicht so gut können, die Wörter dann besser erkennen können. Da die Plattkenntnisse allgemein schlecht sind, ist das ein wichtiger Vorteil.“
    Platt ist eine gelesene und geschriebene Sprache, aber noch vielmehr eine gehörte und gesprochene Sprache. Daher stehen Schriftbild und Aussprache in einem Verhältnis zueinander. Das Argument, dass es mit einem Buchstaben ohne Sonderzeichen (wie z. B. einem langen „a“) im ersten Schritt leichter sei, das Wort und seine Bedeutung überhaupt zu erkennen und im logischerweise folgenden zweiten Schritte schon zielsicher die richtige Aussprache zu wissen, überzeugt mich nicht. Der Kringel (oder Punkt darunter) belässt dem „a“ immer noch, seine Natur, ein „a“ zu sein, es wird nur die genaue Aussprache des „a“ gekennzeichnet. Ähnliche Probleme bestehen (soweit ich das hören und in Texten sehen kann) noch bei „e“ (hier sogar bei einigen Verben als Markierung von Gegenwartes- und Vergangenheits- und Mittelwortform), „ö“ und „o“. Dass für viele plattdeutsche Wörter in einem Lexikon bzw. in verschiedenen Texten (mit Sonderzeichen) oder Lexika unterschiedliche Vokalqualitäten ausgewiesen sind, könnte u. a. (d. h. neben anderen Gründen) vielleicht in dem weitgehenden Fehlen von Sonderzeichen begründet sein und einer daraus resultierenden Unsicherheit von Sprechern über eine (nicht unbedingt die) korrekte Aussprache.
    „All das ist nichts, womit meine Eltern auf der Computertastatur Niederdeutsch schreiben könnten.“
    Bei hochdeutschen Texten erwarte ich bei einer Internetseite und vermehrt noch bei einem Buch mehr Sorgfalt und Aufwand von den Autoren als in Mitteilungen von meinen Eltern. Warum nicht auch bei plattdeutschen Texten? Viele plattdeutsche Autoren (z. B. Voß, Reuter, Groth, Fehrs, Wisser) haben Sonderzeichen eingeführt oder weiterbenutzt, (die von den Verlagen im Laufe der Zeit getilgt wurden) offensichtlich aus einer Motivation der Autoren heraus, das phonetische Inventar des Plattdeutschen eindeutig zu kennzeichnen. In Mecklenburg-Vorpommern scheint mir auch heute noch eine Tendenz zu bestehen, Sonderzeichen zu verwenden.
    Wer die Sonderzeichen nicht benötigt, kann sie überlesen. Wem sie eine Hilfe sind, der wird sie dankbar zur Kenntnis nehmen.

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