Platt lernen: vom spitzen Stein

Früher war es in Hamburg Standard. Heidi Kabel sprach so und auch Helmut Schmidt ist dafür bekannt – für das s-tolpern über den s-pitzen Stein, also dafür, die Buchstabenkombinationen sp und st genau so auszusprechen, wie sie dastehen.

Heute aber ist das selten geworden. Selbst bei uns auf dem Dorf in Ellerau findet man das nur noch bei den Senioren.

Eigentlich ist es schade, dass damit eine weitere regionale Eigenart verdrängt wird. Und manchmal träume ich davon, dass sich ganz viele junge Leute aus Norddeutschland zusammentun und das gemeinsam wieder einüben.

Wo kommt das her?
Ihre Wurzeln hat diese Aussprache im Niederdeutschen. Sie ist das Original. Das hochdeutsche scht und schp ist der neumodische Kram. Ok, ich weiß… das ist schon ein paar hundert Jahre her, und damit nicht mehr so ganz neu. Aber trotzdem: s-t und s-p waren zuerst da.

Welche Buchstaben sind betroffen?
Im Niederdeutschen, um das es in diesem Blog vor allem geht, gibt es noch mehr Buchstabenkombinationen mit s-, wo im Hochdeutschen ein sch- geschrieben oder zumindest gesprochen wird. Es geht um die Kombinationen sl, sm, sn, sp, st und sw.

Warum wird im Hochdeutschen st verwendet statt scht?
Hierbei tanzen st und sp etwas aus der Reihe, hier hat sich das s im Schriftbild gehalten. Nur die Aussprache ist gewandelt. Wie kommt das? Was ist der geschichtliche Grund? Klare Aussagen dazu habe ich im Internet nicht gefunden. Meine Vermutung ist diese: Die genannten Buchstabenkombinationen haben sich nicht alle gleichzeitig gewandelt. scht und schp waren zu spät dran, da hatte sich die hochdeutsche Schreibweise schon verfestigt. Hier hat sich nur die Aussprache durchgesetzt. Zuletzt auch in Norddeutschland.

Genug der Theorie, hier kommen Beispiele (jeweils links Platt, recht Hochdeutsch)

sl
Slötel => Schlüssel
Slang => Schlange
Slag => Schlag

sm
smuck => schmuck
smecken => schmecken

sn
Snee => Schnee
snacken => schnacken

sp
spelen => spielen

st
Straat => Straße
stoten => stoßen

sw
sweven => schweben

Zuweilen gibt es auch im Niederdeutschen die Tendenz, das hochdeutsche sch zu übernehmen. Man trifft beispielsweise op Platt auch „schnacken“ statt „snacken“. Ich für meinen Teil möchte da aber lieber bei dem bleiben, was op Platt schon jahrhundertelang so begäng (gängig) ist.

Heiko Evermann
Dezember 2013

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