Sprachen retten: zum Beispiel Kornisch

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Flag_of_Cornwall_200pxBei Manx war es schon knapp. Bei Kornisch sah es noch düsterer aus. Kornisch ist die einheimische Sprache von Cornwall, einer Halbinsel im Südwesten Englands. Nach der Eroberung Cornwalls durch die Angelsachsen kam die Sprache immer stärker unter Druck. Im Laufe der Jahrhunderte verschob sich die Sprachgrenze immer weiter in den äußersten Südwesten der Halbinsel.

Die letzten Sprecher

Als letzte Muttersprachlerin wird oft Dolly Pentreath genannt, die im Jahre 1777 verstarb. Allerdings fanden sich auch nach ihr noch Menschen, die Kornisch zumindest noch ein wenig konnten. Namentlich bekannt sind John Davey (gestorben 1890) und Alison Treganning (gestorben 1906). Tonbandaufnahmen (wie bei Manx) konnte man bei Kornisch nicht machen, die Technik gab es noch nicht. Und was kam dann?

Henry Janner, die treibende Kraft

Treibende Kraft der Wiederbelebung des Kornischen war Henry Janner (1848-1934), der 1904 das Buch “Handbook of the Cornish Language” (Online im Projekt Gutenberg) veröffentlichte. Darin berichtet Janner von persönlichen Begegnungen mit Menschen, die zumindest noch ein paar einzelne Sätze auf Kornisch sprechen konnten. Ob man da noch zu Recht davon sprechen kann, dass Kornisch nie ganz ausgestorben war? Sein Handbook basiert vor allem auf der Auswertung alter Texte, von denen es nicht viele gab, aber doch genug, um die Sprache zu rekonstruieren.

Wie geht es dem Kornischen heute?

Janner ist es gelungen, eine kleine Schar von Anhängern dafür zu begeistern, diese Sprache neu zu lernen und mittlerweile gibt es mindestens 250 Sprecher, die die Sprache fließend beherrschen und etwa 3000, die zumindest grundlegende Kenntnisse haben.

Auch Kornisch steht (wie Manx) mittlerweile unter dem Schutz der EU-Sprachencharta für Minderheits- und Regionalsprachen. Die regionale Verwaltung steht hinter der Sprache, sie hat mit dem Sprachverbänden ein gemeinsames Strategiepapier entwickelt. Seit kurzem gibt es das Neue Testament auf Kornisch. Der BBC erstellt einmal in der Woche eine 5-minütige Nachrichtensendung auf Kornisch. Die Sprache hat ihre schwerste Krise mittlerweile hinter sich und die Zukunftsaussichten sind gut.

Und wer sich Kornisch einmal anhören möchte: Hier findet sich eine Rede aus dem Jahre des damaligen Grand Bard (Mick Paynter), auf Kornisch.

Und was bedeutet das für die Zukunft des Plattdeutschen?

Wie man am Beispiel des Kornischen sieht, gibt es für Hoffnungslosigkeit keinen Grund. Wenn schon Kornisch eine Zukunft hat, dann Platt erst recht.

Heiko Evermann
April 2015

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